
Für unsere deutschen Freunde
Am rechten Ufer des Cher, ein Nebenfluß der Loire, erhebt sich die Kirche Prieuré d’Allichamps , einzige verbliebene Zeugin einer tausendjährigen Vergangenheit.
Nahe an Römerstraßen gelegen, existierte das Dorf Allichamps bis Ende des 19. Jahrhunderts.
Bereits in der Jungsteinzeit lebten hier Menschen und im Mittelalter gab es ein Dorf mit bis zu 400 Einwohnern, was durch zahlreiche Fundstücke – Artefakte, Waffen, Töpferwaren – in den Feldern rund um die Prieuré bezeugt ist.
Eine Nekropole von mehr als hundert Gräbern und Sarkophagen wurde beim Bau einer Bundesstraße entdeckt sowie ein Platz für Feuerbestattungen, was vermuten läßt, daß es sich um eine Kultstätte handelte, die von ca. 4000 v.Chr. bis ins 17. Jahrhundert n.Chr. genutzt wurde.
Hier wurde wurde 1150 die Prieuré erbaut, sehr wahrscheinlich auf den Fundamenten einer gallo-römischen Villa und einer um 450 n.Chr. Saint Eienne (Hl. Stephan) geweihten kleinen Kirche.
Die Prieuré gehörte zur Augustinerabtei von Plaimpied und diente als Pfarrkirche für das kleine Dorf Bruère-Allichamps. Diese Kirchengemeinde gab es noch nach der französischen Revolution bis 1792.
Erste Grabungen wurden durch den letzten Prior Francois Pajonnet vorgenommen, der ein passionierter Antiquitäten-“Jäger” war und sich viele Schätze “aus der Erde” geholt hat. Insbesondere ist ein römischer Meilenstein zu erwähnen, der in einen Sarkophag umgearbeitet worden war. Er steht heute mitten in Bruère-Allichamps und zeigt dort den geografischen Mittelpunkt Frankreichs an. So erinnert er uns täglich an unsere Vergangenheit.
Durch den Verkauf der Kirchengebäude nach der Revolution erlebte die Prieuré etliche Besitzerwechsel bis sie schließlich in den Händen von Bauern landete, die die Kirche in eine Feldscheune umfunktionierten. Dies hatte trotzdem eine positive Seite, da die Mauern und Säulen – fast – gut erhalten geblieben sind, da sie durch das Heu ungewollt geschützt waren…
1985 hat sich die Gemeinde von Bruère-Allichamps entschieden, die Prieuré zu kaufen und seit 1986 bemüht sich eine Handvoll passionierter, tüchtiger, begeisterter Freiwilliger “Les Amis du Prieuré”, die Prieuré langsam aus ihrem langen Schlaf und der Vergessenheit zu erwecken und mit demselben Elan tun sie immer noch ihr Möglichstes sie zu restaurieren und kulturelle Events anzubieten. Heutzutage kann man die Prieuré besuchen – mit oder ohne Führung – und die einzigartigen Schätze bewundern, die sich durch die Jahrhunderte erhalten haben.
Die Kirche ist in Form eines lateinischen Kreuzes gebaut, der Chorraum ist sehr bemerkenswert: die hellen Bausteine stammen von Steinbrüchen aus der Umgebung, die verschiedenartigen Kapitelle, darunter eines mit einer seltenen figürlichen Darstellung, Sarkophage, vor allem aus merowingischer Zeit, und eine große Grube mit Sarkophagen und Skelettteilen erwecken den Wunsch, eines Tages weitere Forschungen vorzunehmen .
Zwar haben mehrere Unglücksfälle die Gebäude beschädigt, der Einsturz des Glockenturms, Brände… aber was da noch steht, ist mehr als genug, um das geniale Können der Baumeister zu bewundern.
Die Außenansicht zeigt, daß die Apsis von grazilen Halbpfeilern gestützt wird, unterhalb der Bedachung verläuft ein Kranzgesims mit Rosetten ähnlichen Ornamenten und darunter ein Sims aus Kragsteinen mit teilweise naiven Darstellungen.
In die Westfassade ist eine mysteriöse gallo-römische Stele eingelassen. Ist dies ein Schriftgelehrter mit Kalmus und Papyrus? Was tut er an dieser Stelle?
Die schöne Einfachheit der Gebäude berührt und lädt uns ein, ihre Geschichte zu entdecken und sich ihr früheres Leben vorzustellen: Hochzeiten,Taufen, Beerdigungen, Besuch des Archidiakons von Bourges, großzügig seine guten Ratschläge erteilend: ”Eine Bodenplatte fehlt? Nehmen Sie sich eine Grabplatte, um sie zu ersetzen.” “Der Marmor der Altäre muß ausgebessert werden ».
Man kann sich die kleinen Altäre vorstellen, die sich in den zwei Chorkapellen befanden, einer davon wurde leider zerstört, um Platz für eine landwirtschaftliche Maschine zu schaffen und ein Winterquartier für das Vieh.
Heute können Sie wieder die elegante Architektur der Prieuré bewundern.
Von Mai bis September sind Les Amis du Prieuré für Sie da, führen Sie gerne herum und organisieren Ausstellungen, Theaterstücke und insbesondere klassische Konzerte mit internationalen Solisten. Diese sind absolut begeistert von der fantastischen Akustik, die keine falschen Töne erlaubt und das ganze Gebäude mit Klang erfüllt.
Zu erleben ist dies am 31. Mai 2025 bei dem Gesprächkonzert mit der berühmten Schriftstellerin Ghislaine Antoine, die Briefe von George Sand an Chopin liest und der Pianist Michael Leslie sorgt für deren musikalische Antworten. Dazu zeigt die Malerin Ulla von Gemmingen vom 29. Mai bis 4. Juni ihre Arbeiten zum Thema “Chopin durch das Schlüsselloch ».





